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Einladung zum E-Mobil-Brunch in Nagold am 25.9.2022
Nach über zwei Jahren Pause findet im Atelier des Buch&BildVerlag wieder ein E-Mobil-Brunch statt.  Hier gehts zu den Details


 

Erlebniseinladung zum Buch „Spielend in die Kraft“  live im Atelier des Buch & Bild Verlags in Nagold
Sonntag, 9. Oktober Beginn 18.30 Uhr mit Armgard, Hajo, Marvin, Reinhold Schiller, Tinka Kleffner,  micayl&Band

Kartenbestellung und Details bitte hier klicken.



Spielend in die Kraft
Das neue Buch von Armgard Schörle lieferbar. Durch die Zusammenarbeit mit André Stern hat das Buch nochmal einen ganz besonderen Input bekommen. Und, gerade in dieser Zeit, wo die Freiräume der Kinder so eingeschränkt sind, bietet dieses Buch ganz neue Entfaltungsmöglichkeiten. Nähere infos und Bestellmöglichkeit: hier klicken (Wir liefern Versandkostenfrei)
Das Buch ist nach vielen Jahren Entwicklungsarbeit nun lieferbar. Die Geschwister Armgard (Autorin) und Hajo (Illustration und Verlag) und dieses mal mit dabei, der Sohn des Verlegers, Marvin (Layout und Grafik) 

REZENSION: Hier kann man zu diesem Buch eine sehr schöne Rezension auf Lovelybooks lesen (hier klicken)






Beitrag aus dem Buch "Spielend in die Kraft" von Armgard Schörle zum Weltkindertag:

"Ich bin mit dem Auto auf dem Weg nach Hause. Im Radio kommt ein Bericht über den heutigen Weltkindertag. Er wurde von der UNO-Vollversammlung als Jahrestag der Verabschiedung der Kinderrechtskonventionen ausgerufen, die seit 1989 in bisher 145 Staaten der Erde gelten.

In den Kinderrechtskonventionen ist das Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung festgehalten. Der Jahrestag am 20. November will daran erinnern und die Rechte und die Schutzbedürftigkeit von Kindern in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Anlässlich dieses Tages wurde von der Universitätsklinik Ulm in Zusammenarbeit mit UNICEF und dem Kinderschutzbund eine repräsentative Befragung in Deutschland durchgeführt, in der zum Ausdruck kommt, dass viele Erwachsene Schläge und Körperstrafen nach wie vor für ein mögliches und notwendiges Disziplinierungsmittel in der Kindererziehung halten. Ich kann es nicht fassen. Immer noch hält jeder zweite Erwachsene einen Klaps auf den Po und jeder Sechste eine Ohrfeige für durchaus angebracht.

Die Ausübung von seelischer Gewalt oder die fortwährenden, subtilen Herabsetzungen, die oftmals gar nicht als Gewalteinwirkung, sondern als „natürliche“ Disziplinierungsmaßnahme eingestuft werden, sind dabei noch nicht einmal erfasst. Weltweit sind nach Schätzungen von UNICEF jedes Jahr ca. eine Milliarde Kinder und Jugendliche zwischen zwei und 17 Jahren von psychischer, sexueller oder physischer Gewalt durch Erziehungsberechtigte betroffen. Das ist jedes zweite Kind. Der Bericht macht zutiefst nachdenklich. Und traurig. Wie können wir diesen Kreislauf, in dem es nur Verlierer gibt, durchbrechen?

Als Menschen verbindet uns die Tatsache, dass wir alle selbst einmal Kind waren. Egal aus welchem Umfeld und mit welcher Geschichte wir erwachsen geworden sind, wir alle wissen, wie es sich anfühlt, ein Kind zu sein. Wir kennen das Gefühl der Abhängigkeit, wir haben die Erfahrung, wie es ist, etwas noch nicht tun zu können, weil wir zu klein, zu jung oder von den Entscheidungen eines Erwachsenen abhängig waren. Vielleicht haben wir sogar selbst als Kind mehr oder weniger offene Formen von Gewalt erlebt. Ob das wohl einer der Gründe dafür ist, dass sich immer noch so viele Menschen eine Erziehung ohne Gewalt schwer vorstellen können?

Mir wird bewusst, dass es um mehr als um die Abwesenheit von Gewalt geht. Ich denke, es geht um die grundsätzliche Haltung unseren Kindern gegenüber, aber auch unserem eigenen verletzlichen Anteil gegenüber. Was wissen wir über unser Verhältnis zu Empfindsamkeit, Zartheit, Unschuld? Ist uns bewusst, wie wir selbst mit Nicht-Wissen und Unsicherheit umgehen? Was löst das Gefühl und die Vorstellung von Abhängigkeit in uns aus? Haben wir das Wunder von Werden und Entfaltung schon einmal bewusst an uns selbst erleben dürfen?

Ein neugeborenes Kind ist im Verhältnis zu anderen Lebewesen einen verhältnismäßig langen Zeitraum davon abhängig, welche Erfahrungsräume wir als Erwachsene ihm öffnen. Die Art dieser frühen Erfahrungen hat Auswirkungen darauf, wie das Kind als Erwachsener einmal unsere Welt erleben und vor allem mitgestalten wird. Sind wir uns dieser Verantwortung wirklich bewusst, und wie gehen wir mit ihr um? Sind wir uns darüber im Klaren, was es ist, was wir ermöglichen wollen? Und sprechen und handeln wir so, dass es dem dient, was uns wichtig ist?

Vielleicht wissen wir ja auch gar nicht, wie sich ein geschützter Raum anfühlt, weil wir ihn selbst nicht erfahren durften. Ich weiß, dass es viel Mut und Vertrauen in neue Erfahrungen braucht, wenn man diesen Weg einschlägt. Aber das ist genau das, was Kinder uns schenken können, wenn wir uns ihrem Wesen in aller Tiefe öffnen. Sie können uns zeigen, dass wir als Mensch in der Lage sind, Dinge zu tun und zu kreieren, die wir nicht für möglich gehalten hatten (… wenn sie zum Beispiel das erste Mal eine Treppenstufe überwinden, die aus ihrer Perspektive fast die Höhe ihres eigenen Körpers hat!). Ihre Neugier hält sie in ständiger Bewegung und uns ebenso, wenn wir uns davon anstecken lassen. Sie sind verletzlich, weil sie noch keine Abwehrmechanismen haben, weil sie uns brauchen und weil sie das Leben nur auf ihre ureigene Art und Weise ergreifen können.

Ich frage mich, wie es wohl wäre, wenn wir Erwachsenen den verletzlichen Teil in uns selbst mehr und mehr fühlen und annehmen könnten? Mit der Zeit vielleicht sogar die Stärke darin erkennen und erleben könnten? Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das sein kann. Aber wie würde das unser Verhältnis zu unseren Kindern verändern? Welche Art von Welt wäre möglich, wenn wir uns sogar von unseren Kindern zu neuen Erfahrungen inspirieren ließen? Von ihnen und mit ihnen lernen würden, wie fragil unser Leben auf dieser Erde in Wirklichkeit ist?

Mit der folgenden Übung möchte ich dich einladen, dazu eine Erfahrung zu machen:

Du kannst dir an einem ungestörten Ort zwei Stühle gegenüberstellen. Setze dich auf einen davon und lasse dir ein wenig Zeit, um anzukommen, dort wo du gerade bist. Nimm den Platz wahr, an dem du dich befindest, und den Raum, der dich umgibt. Weitergehend kannst du wahrnehmen, welche Themen und Aufgaben dich in deiner jetzigen Situation beschäftigen. Gibt es Entscheidungen, die du treffen musst? Gibt es Dinge, auf die du dich freust oder die dir unangenehm sind? Fühlst du dich verbunden? Nimm nur wahr, was sich in diesem Moment zeigt. Es gibt nichts zu beurteilen oder zu verändern.

Wenn du wahrgenommen hast, was es von deinem Platz aus im Moment wahrzunehmen gibt, dann wechsle auf den Stuhl gegenüber. Stell dir vor, es ist der Platz von einem Kind. Stell dir ein Alter dazu vor, das dir leicht fällt. Es kann sein, dass du an ein Kind denkst, das du kennst, es ist aber auch möglich, dass du dich an dich selbst als Kind in einem bestimmten Alter erinnerst.

Lass dir auch jetzt wieder Zeit, an diesem Platz anzukommen. Nimm die Perspektive wahr, die zu deinem Alter in diesem Moment gehört. Was siehst du? Was beschäftigt dich? Was würdest du gerne machen? Wovor fürchtest du dich? Was ärgert dich? Was brauchst du? Wohin würdest du jetzt gerade gerne gehen? Wen hättest du gerne an deiner Seite? Gibt es etwas, das du dir mehr als alles andere wünschst?

Wenn du wahrgenommen hast, was es von diesem Platz aus wahrzunehmen gibt, dann kehre wieder auf deinen „Erwachsenen-Platz“ zurück. Nimm dir nun Zeit, um aus dieser Perspektive auf den Platz des Kindes zu schauen. Hat sich etwas verändert? In dir? Oder in deinem Blick auf das Kind? Was brauchst du jetzt? Wohin würdest du jetzt gerade gerne gehen? Wen hättest du gerne an deiner Seite? Gibt es etwas, das du dir mehr als alles andere wünschst?"

Armgard Schörle